Auch du hast Sprachtalent – für Mathematik- und Logik-Fans

  1. Fast jeder hat Sprachtalent, man muss es nur finden 😉

Wenn man es genau betrachtet, zeigt sich, dass kaum jemand wirklich unbegabt in Sprachen ist. Sprachbegabung besteht nämlich aus so vielen verschiedenen Teilbegabungen, dass fast jeder mindestens eine davon mitbringt. Die meisten Menschen haben einige dieser Begabungen in einem bestimmten Ausmaß.

Dieser Artikel erklärt dir, wie dir ein gutes logisches Denkvermögen beim Sprachenlernen helfen kann. In späteren Artikeln schreibe ich über weitere Begabungen und deren Nutzen für das Lernen von Fremdsprachen.

  1. Entweder mathematisch-logisch begabt oder sprachlich? 

Wenn du ein gutes Verständnis für Mathematik und für logische Zusammenhänge hast und Muster und Regeln schnell erkennst, dann bist du wahrscheinlich gut im logischen Denken.

Mathematik

Es gibt das weit verbreitete Vorurteil, dass Sprachen unlogisch seien und deshalb logisches Denken beim Sprachenlernen nichts nutze – aber das stimmt nicht.

Auch das Vorurteil, man sei entweder mathematisch oder sprachlich begabt, stimmt definitiv nicht – man kann die Fähigkeiten, die einem bei der Mathematik helfen, zu einem großen Teil auf Sprachen übertragen (und auch umgekehrt übrigens).

Logik hilft dir dabei, die innere Struktur einer Sprache zu verstehen. Hinter fast jedem grammatikalischen Konstrukt in einer Fremdsprache gibt es eine Logik, man muss sie nur finden.

  1. Schule fördert leider oft Auswendiglernen statt Verstehen

Leider ist Schule oft auf Auswendiglernen ausgerichtet und es wird beispielsweise in Englisch oft den Lernenden geraten, „Keywords“ auswendig zu lernen, die angeben sollen, wann man z.B. die „past tense“ (z.B. „I did“) und wann die „present perfect tense“ (z.B. „I have done“) verwenden soll.

Das kommt Schülern mit einer guten Merkfähigkeit entgegen, ist aber oft ein großes Problem für logisch denkende Schüler, die nicht so gerne oder nicht so gut auswendig lernen. Noch dazu gibt es auch Sätze, in denen die auswendig gelernten Keywords gar nicht vorkommen.

  1. Mache dich auf die Suche nach der Logik in der Struktur der Sprache

Dabei wird oft verschwiegen, dass Regeln wie diese für logisch denkende Menschen unnötig sind, wenn man ihnen die dahinter liegende Logik erklärt.

Nämlich in diesem Fall (hier vereinfacht ausgedrückt), dass es bei der Past Tense um etwas geht, das schon abgeschlossen ist und keine Auswirkung mehr auf die Gegenwart hat, während es bei der Present Perfect Tense um etwas geht, das Bezug zum Jetzt hat – beispielsweise, indem es sich auf die Gegenwart auswirkt oder immer noch angedauert.


Beispiel: „ing-Form“ im Englischen

Ein weiteres Beispiel dafür ist die „ing-form“ im Englischen (oder ähnlich dazu das „gerundio“ im Spanischen), die es in dieser Form zwar im Deutschen nicht gibt, man aber auch logisch verstehen kann.

Wenn man z.B. „I’m doing that“ versucht in „Ich bin dabei, das zu tun“, „Ich bin tuend das“ zu übersetzen, dann wird einem klar, was das heißt, nämlich: „ich tue das jetzt gerade, jetzt in diesem Moment bin ich dabei, bin ich tuend“ – und das ist das, worum es bei dieser grammatikalischen Konstruktion auch geht.


Solche logischen Regeln gibt es für fast alle Grammatikthemen in fast allen Sprachen und es lohnt sich, sie zu suchen, denn einmal verstanden hat das Auswendig-Lernen ein Ende.

Fast immer, wenn man danach sucht und gut im logischen Denken und damit auch im Muster-Aufspüren ist, findet man irgendeine Entsprechung im Deutschen – und das macht es dann gleich so viel verständlicher, als wenn man einfach nur stur irgendwelche Grammatikregeln pauken würde.

Wenn du zu den eher logisch denkenden Menschen gehörst, kann dir diese Begabung also einen großen Vorteil beim Fremdsprachen-Lernen bringen, wenn du sie nur richtig einsetzt.

  1. Bedeutungen herleiten statt Auswendiglernen

Dein gutes logisches Verständnis kann dir außerdem viel Vokabellernen ersparen, weil es dich dabei unterstützt, die Bedeutung eines neuen Wortes herzuleiten: aus dem Deutschen, aus einer anderen dir bekannten Sprache oder von ähnlichen Wörtern der zu lernenden Sprache. Natürlich klappt das nicht immer, aber sehr oft.


Beispiel:

Wenn du verstanden hast, dass im englischen Wort „unfortunately“ die Glücksgöttin Fortuna steckt und dass davor ein „un“ steht, was es ins Gegenteil verkehrt, ist dieses vielsilbige Wort schon viel leichter zu merken, als wenn du es einfach auswendig lernen müsstest.


Das Gehirn lernt nämlich viel leichter, wenn der Stoff nicht völlig fremd ist, sondern an etwas anknüpfen kann.

Wenn du dir logisch erklären kannst, warum ein bestimmtes Wort so heißen muss und nicht anders – und das einmal verstanden hast – wird dir dieses Wort wahrscheinlich im Gedächtnis bleiben.

  1. Logik hilft beim Argumentieren – auch in der Fremdsprache

Je weiter fortgeschritten du beim Fremdsprachen-Lernen wirst, desto wichtiger wird es, auch in der Fremdsprache schlüssig argumentieren und deine Standpunkte vertreten zu können.

Auch hier kann dir logisches Denken sehr nützlich sein, weil es dir hilft, Argumentationsketten so aufzubauen, dass andere Leute sie gut verstehen können.

Logisches Denken verschafft dir also auch beim Sprachenlernen einen großen Vorteil. Wichtig ist, dass du ihn erkennst und nützt.

Vielleicht hast du Glück und dein Sprachunterricht ist schon so aufgebaut, dass er logisches Denken miteinbezieht. Falls nicht, kannst du dich aber auch alleine oder gemeinsam mit anderen auf die spannende Suche nach den Mustern in der Sprache machen.

 

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