Durchhalten oder Aufgeben – Der längere Atem

Wie denkst du über Lernfortschritte? Glaubst du, wenn du fleißig übst, dann wirst du kontinuierlich besser und immer besser? Hast du schon mal frustriert etwas aufgegeben, weil du das Gefühl hattest, du steckst fest und verbesserst dich nicht mehr?

Was dann? Durchhalten oder aufgeben? Hier erfährst du, warum scheinbare Stillstandsphasen zum erfolgreichen Lernen dazu gehören und dass es sich lohnt, dran zu bleiben und weiter zu machen.

Plateaus beim Lernen

Der längere Atem

Diesmal möchte ich euch gerne eine Erkenntnis über das Lernen vorstellen, die ich aus einem sehr tollen, aber viel zu unbekannten Büchlein gewonnen und dann auch bei mir und bei anderen beobachtet habe.

Das Büchlein heißt „Der längere Atem“ und stammt vom mittlerweile verstorbenen Aikido-Meister George Leonhard. In diesem Büchlein finden sich einige sehr wichtige Erkenntnisse über das Lernen.

Sind Lernprozesse kontinuierlich?

Viele Menschen gehen davon aus, dass Lernprozesse so aussehen müssten: eine Kurve, die kontinuierlich bergauf zeigt:

Lernkurve?

Das wäre doch toll, oder? Ich beginne zum Beispiel damit, Klavierspielen zu lernen oder Windsurfen oder Spanisch oder was auch immer und ich werde kontinuierlich besser und besser und besser und merke ständig Fortschritte? Läuft das so bei euch?

Der Feuereifer des Anfängers

Wenn man beginnt, etwas Neues zu lernen, hat man oft am Anfang den Eindruck, dass man sich ständig steigern kann. Man ist mit Feuereifer dabei und bemerkt, wie man – ausgehend von dem sehr niedrigen Niveau des Anfängers – rasch Fortschritte macht. Das spornt an, weiterzumachen.

Anfänger

Im Sport bessert sich zum Beispiel sehr schnell die Kondition und die Geschicklichkeit, man sieht sich in jeder Trainingsstunde besser werden und hofft, dass das immer so weiter geht, bis man irgendwann ein Meister oder eine Meisterin darin geworden ist.

Das gefürchtete Plateau

Und dann kommt das Plateau. Man trainiert weiterhin so fleißig wie bisher und hat aber den Eindruck, dass nichts weitergeht. Scheinbar verbessert man sich nicht mehr, sondern stagniert, verschlechtert sich möglicherweise sogar wieder ein bisschen.

Stufen Taube

Das heißt, es scheint so, als würde nichts weitergehen. Man übt und übt und übt weiter und verbessert sich aber nicht, zumindest scheinbar.

Aufgeben, weil nichts mehr weitergeht?

Das ist der Punkt, an dem viele Menschen frustriert werden und aufgeben. Sie meinen dann: „das ist zu schwierig für mich“ oder „dafür habe ich einfach kein Talent“ und schmeißen es hin.

Aufgeben

Manche beginnen dann mit etwas Neuem, haben anfangs wieder viel Erfolg und machen Fortschritte, bis sie sich dann irgendwann nicht mehr verbessern.

So lange, bis sie am Ende dieses Plateaus angekommen ist, wo es auf einmal dann wieder bergauf gehen würde – wenn sie denn so lange durchgehalten und inzwischen nicht schon längst aufgegeben haben.

Die Natur des Lernens erkennen

Die Erkenntnis, dass es ganz normal ist, beim Lernen immer wieder auf Plateauphasen zu stoßen, wo scheinbar nichts weiter geht, macht es leichter, dranzubleiben und durchzuhalten.

Tatsächlich laufen nämlich die meisten Lernprozesse eher so ab:

Plateaus beim Lernen

Schneller Fortschritt am Anfang, bis man dann zum ersten Plateau kommt und sich anscheinend nicht mehr verbessert. Wenn man dann aber kontinuierlich dranbleibt, bereiten sich Körper und Geist in dieser Plateauphase auf den Sprung auf die nächste Stufe vor.

Plateaus sind wichtig

Das Plateau, auf dem scheinbar nichts passiert, ist also gar nicht umsonst, sondern eine wichtige Konsolidierungs- und Umbauphase. Das bisher Gelernte wird unbewusst immer mehr automatisiert, bis es genug gefestigt ist, sodass auch wieder sichtbarer neuer Fortschritt dazu kommen kann.

Plateau

Das heißt, ich trainiere einfach weiter meinen Sport oder mein Musikinstrument oder beschäftige mich weiter mit der Sprache, die ich lernen will oder mit Mathematik,… – und irgendwann merke ich, dass es wieder rasant weitergeht und ich mich wieder sehr verbessere und auf einem ganz anderen Niveau bin, bis dann irgendwann das nächste, höhere Plateau (quasi die nächste Stufe) kommt.

Wann geht es endlich weiter?

Wann diese Sprünge kommen, ist individuell unterschiedlich und nicht vorhersehbar, aber klar ist, dass sie kommen – und dass der Weg zur Meisterschaft über viele Stufen und viele Plateaus führt.

Sprung

Meister brauchen einen langen Atem

Wer also Meister oder Meisterin in etwas werden will, der braucht einen langen Atem und das Bewusstsein, dass Plateaus und scheinbarer Stillstand zum erfolgreichen Lernen dazu gehören.

Meisterin

Wenn man dranbleibt, wird man immer wieder mit überraschenden Fortschritten belohnt, sobald wieder eine Plateauphase zu Ende ist – und kann insgesamt ein Niveau erreichen, das weit über dem anderer liegt, die beim ersten Plateau und bei den ersten Schwierigkeiten aufgegeben haben.

 Also, wenn ihr etwas irgendwann richtig gut können wollt – egal, ob es eine Sportart ist, ein Musikinstrument, Mathe, Spanisch oder Referate halten – bleibt dran und gebt nicht auf!

Wenn ihr zu dem Punkt kommt, wo scheinbar nichts weiter geht, dann macht euch bewusst: „Das ist ganz normal, das ist jetzt ein Plateau. Wenn ich weitermache, werde ich irgendwann auf die nächste Stufe bringen und auf einmal viel besser sein.“

Der Weg zum Goldpokal führt über viele Plateaus.

Goldpokal

Und dann beobachtet eure Fortschritte, genießt die Plateaus – ihr könnt euch darauf entspannen, euer bisher Erreichtes genießen und weiter trainieren – und habt Freude daran, den Weg des Meisters oder der Meisterin zu beschreiten und immer besser zu werden.

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