Hochbegabt und hochsensibel

Dieser Artikel ist besonders für hochbegabte und/oder hochsensible Kinder, Jugendliche, Erwachsene und für alle, die sich für sie interessieren.

Hochbegabung bedeutet vielmals, nicht nur mehr und schneller zu denken, sondern auf allen Ebenen mehr wahrzunehmen. Dieses Phänomen hat die deutsche Psychologin Andrea Brackmann als eine der ersten beschrieben.

Nicht alle Hochbegabten sind hochsensibel und nicht alle hochsensiblen Menschen zeigen in Tests überdurchschnittliche Werte, aber insgesamt treten diese beiden Phänomene oft gemeinsam auf und es lohnt sich, sich damit zu beschäftigen.

Hochbegabung und Hochsensibilität können bedeuten, mehr zu denken, mehr zu fühlen und mehr wahrzunehmen.

Mehr denken, mehr fühlen, mehr wahrnehmen

Mehr denken bedeutet zum Beispiel…

… Inhalte und Ideen schnell logisch erfassen zu können
… ein Gehirn zu haben, das sehr schnell Verknüpfungen darstellt
…dadurch für Außenstehende manchmal schwer nachvollziehbare Gedankensprünge zu vollziehen
… vielfältige und kreative Lösungswege finden zu können
… dadurch bei Prüfungen gut „improvisieren“ zu können
… bei Überlegungen viele Details und komplexe Zusammenhänge miteinzubeziehen
… Routineaufgaben eher langweilig zu finden

Mehr fühlen kann beispielsweise bedeuten…

… Stimmungen anderer Menschen sehr genau wahrzunehmen
… sehr feinfühlig und sensibel zu sein
… ein hohes Einfühlungsvermögen und Mitgefühl zu haben
… Ungerechtigkeiten sehr stark zu spüren und sich dagegen auflehnen zu wollen
… sehr genau zu spüren, ob jemand authentisch ist oder nicht
… kreativ oder künstlerisch begabt zu sein

Mehr wahrnehmen kann heißen…

… Sinneseindrücke (Licht, Geräusche, Berührungen, Gerüchte) intensiver wahrzunehmen als andere
… Düfte und Geschmäcker, Musik und schöne Landschaften besonders genießen zu können
… von Menschenmassen und den damit verbundenen Eindrücken schnell zu ermüden
… Ruhe und Erholung besonders zu schätzen
… Details besonders zu bemerken
… lieber alleine oder zu zweit zu sein als in großen Gruppen
… nur mit ausgewählten Personen und in bestimmten Situationen Körperkontakt zu mögen

Hochsensibilität als Gabe und Geschenk

Diese besondere Sensibilität ist ein großer Reichtum und hat viele Vorteile, sie beschenkt einen mit einer bunten Wahrnehmung und einem feinen Sensorium für die Welt, für andere Menschen und für sich selbst.

Auch in allen Berufen, in denen es etwa auf den Kontakt mit Menschen oder Tieren ankommt oder in denen Kreativität gefordert ist, kann Hochsensibilität ein Vorteil sein.

Hochsensibel im Alltag, wie kann man damit umgehen?

Gleichzeitig ist aber unsere Welt nicht immer auf die Bedürfnisse hochbegabter oder hochsensibler Menschen eingestellt.

Wichtig ist deshalb vor allem, Selbstakzeptanz zu entwickeln bzw. diese als Eltern bei den eigenen Kindern zu fördern:

  • Die eigenen Gefühle und Empfindungen ernst zu nehmen und anerkennen, dass es in Ordnung ist, wenn man etwas als zu laut, zu grell, zu viel, zu schmerzhaft empfindet.
  • Anzuerkennen, dass diese Wahrnehmung ihre Berechtigung hat und einem zeigt, dass dem eigenen Körper oder der eigenen Psyche gerade zu viel zugemutet wird.
  • Zu verstehen bzw. als Eltern den eigenen Kindern zu vermitteln, dass Hochsensibilität nicht bedeutet, „zu wehleidig“ oder „zu empfindlich“ zu sein (wer steckt denn schon jemals im Körper eines anderen Menschen und kann wahrhaft beurteilen, wie viel Reizüberflutung oder Schmerz der andere empfindet?), sondern einfach sensibler als viele andere, mit allen Vor- und Nachteilen, die es mit sich bringt.
  • Als Eltern mit den Kindern zu besprechen, welche Bewältigungsstrategien man selbst im Laufe des Lebens schon entwickelt hat, um mit der eigenen Hochsensibilität umzugehen (hochsensible Kinder haben meist zumindest einen hochsensiblen Elternteil).
  • Zu überlegen, wie man im Alltag Ruhephasen einbauen kann, bei denen man sich von den vielen aufgenommenen Umgebungsreizen erholen kann.
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