Kreativ-musische Begabungen beim Sprachenlernen nutzen

Anschließend an meinen letzten Artikel über das spezifische Sprachtalent logisch-mathematisch begabter Menschen (siehe Artikel „Auch du hast Sprachtalent – für Mathematik- und Logik-Fans“) erfährst du nun in diesem Artikel, wie du kreativ-musische Begabungen beim Sprachenlernen nutzen kannst.

Denkst du viel in Bildern, Stimmungen und Emotionen und in Musik? Dann ist es wahrscheinlich, dass du eine kreativ-musische Begabung hast. Auch das kann beim Sprachenlernen ein riesiger Vorteil sein.

Kreativität

1. Das Potenzial, eine Fremdsprache auch als Erwachsener noch fast akzentfrei zu erlernen

Wenn du musikalisch und kreativ begabt bist, gehörst du meist auch zu den Menschen, die sehr schnell eine fremde Sprache fast oder auch ganz akzentfrei sprechen können.

Vielleicht machst du manchmal noch Fehler in der Grammatik oder kennst noch nicht alle Wörter, aber wenn man deine Aussprache hört, könnte man dich für einen Muttersprachler halten.

2. Gutes Hörverständnis

Wenn du die Sprache dann irgendwann einmal wirklich gut sprichst, wirst du sie auch akustisch auf einem Niveau beherrschen, von dem in diesem Bereich weniger begabte Menschen oft nur träumen können und auch die gesprochene Fremdsprache besonders gut verstehen.

3. Deine Aussprache ist ein Spiegel deiner sprachlichen Vorbilder

Während Logiker sich die fremde Sprache über Regeln und Muster erschließen, gehörst du zu den Menschen, die ein intuitives Gefühl für die fremde Sprache und ihre Melodie entwickeln – wenn sie nur oft genug von Muttersprachlern umgeben sind (siehe auch mein Artikel „Mit Freude Sprachen lernen“).

Es ist gerade für dich essenziell, möglichst oft die Fremdsprache von Muttersprachlern zu hören, weil deine Zunge die Sprache genauso aufnimmt, wie sie sie hört.

Spricht deine Umgebung amerikanisches Englisch, dann tust du das auch; hörst du aber nur deine Lehrerin mit ihrem starken österreichischen Akzent im Englischen, so wirst du diesen übernehmen.

Auch für dich geht es also nicht um stures Pauken, sondern eher darum, viel Kontakt mit der fremden Sprache in einer möglichst unverfälschten Form zu haben und einen spielerischen, lockeren, kreativen Umgang mit ihr zu pflegen.

4. Gute Aussprache macht in der Schule kaum einen Unterschied – im Leben aber schon

Das intuitive Gefühl für die Melodie und die „Seele“ einer Sprache und eine gute Aussprache werden in der Schule, die eher auf schriftliche Arbeiten und auf grammatikalische Korrektheit den Schwerpunkt legt, leider meist nicht ausreichend honoriert.

Aber für dich selbst und in der Kommunikation mit Menschen aus anderen Ländern bringt dir dieses Talent sehr viel, weil du sehr früh in deinem Lernprozess von anderen schon sehr gut verstanden wirst und auch selbst gesprochene Sprache gut verstehst, wenn du ein Gespür für die Melodie der fremden Sprache hast.

Die Gelegenheiten, bei denen du von diesem Talent richtig profitieren kannst, sind also dann, wenn du die Fremdsprache anwendest und dich mit Menschen aus dem Ausland unterhältst – und nicht so sehr in der Schule. Aber schließlich lernen wir ja für das Leben, oder? 😉

5. Fremde Begriffe im Kopf mit Bildern verbinden

Das Gehirn von Menschen, die musikalisch oder kreativ veranlagt sind, denkt besonders viel in Bildern – und das kann man sich beim Sprachenlernen zu Nutze machen.

Vielen Fehlern kann man entgegensteuern, wenn man z.B. „I’m getting up“ mit dem inneren Bild von Aufstehen verbindet und nicht nur lernt „to get up – aufstehen“.

Denn durchs strikte Vokabelpauken bleibt man meist bei der wortwörtlichen Übersetzung. Dadurch entstehen aber oft Fehler („hmm… to get heißt bekommen und up heißt auf, also heißt das aufbekommen, also öffnen?), weil unterschiedliche Sprachen ja gleiche Bedeutungen nicht immer gleich formulieren.

6. Vokabeln in ganzen Sätzen lernen

Noch besser ist es, die Vokabeln überhaupt nicht Wort für Wort zu lernen, sondern in ganzen Sätzen und Zusammenhängen – dabei aber natürlich trotzdem mitzulernen, was jedes einzelne Wort davon bedeutet.

Dann kann man nämlich bald viel flüssiger sprechen und muss nicht mühsam Wort für Wort übersetzen, was meistens auch noch schief geht, weil man dabei oft die Position der Wörter im Satz aus dem Deutschen übernimmt, diese in vielen Sprachen aber anders ist.

7. Das eigene Zuhause mit der Fremdsprache „dekorieren“

Wenn es trotzdem einmal nötig erscheint, aktiv Vokabeln oder Phrasen in der Fremdsprache zu lernen, gibt es auch noch eine einfache Möglichkeit, das quasi nebenbei und mühelos zu machen: Vokabellisten ausdrucken und an Stellen im eigenen Zuhause aufhängen, auf die man automatisch oft schaut.

Besonders bietet sich dabei die Toilette an (dort hat man selten etwas Besseres zu tun und das Gehirn sucht dann richtiggehend nach einer Beschäftigung), aber auch der eigene Schreibtisch, eine Dachschräge über dem Bett usw.

Oder den eigenen MP3-Player mit Vokabeln bespielen (oder passende Lern-MP3s kaufen) und immer wieder nebenbei auf dem Weg in die Schule, auf die Uni oder in die Arbeit ein bisschen hören. Sehr viele Wörter lernen sich dabei quasi von selbst.

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