Mit Freude Sprachen lernen

1. Jeder kann Sprachen lernen

Wie stellt man es an, eine Fremdsprache gut zu lernen und dabei auch noch Spaß zu haben? Ich habe einiges an Erfahrung damit, denn ich habe bis jetzt insgesamt sechs Fremdsprachen gelernt, also Englisch, Italienisch, Französisch, Spanisch, Russisch und Bosnisch/Kroatisch/Serbisch. Bin ich einfach nur sprachbegabt oder stecken da auch noch andere Geheimnisse dahinter?

Schließlich bringt ihr alle, die ihr das lest, einiges an Sprachbegabung mit – sonst hättet ihr es nicht geschafft, die deutsche Sprache so gut zu lernen, um diesen Text verstehen zu können 😉

Auch die Muttersprache zu lernen als Baby und Kleinkind ist eine gewaltige Leistung für das Gehirn. Wie kann es dann sein, dass einigen von euch in der Schule eingeredet wurde, ihr hättet absolut keine Begabung für Sprachen?

Freude am Lernen

2. Eine Frage der Begabung – oder der richtigen Methode?

Ich bin vermutlich recht sprachbegabt – aber ich habe auch recht früh herausgefunden, wie man effizient Sprachen lernen kann. Als ich als Jugendliche begonnen habe, auf eigene Faust Bosnisch/Kroatisch/Serbisch zu lernen, habe ich gemerkt, dass es viel effizientere Methoden gibt, eine Sprache zu lernen, als man es in den meisten Schulen vermittelt bekommt.

Ich konnte nämlich schon nach wenigen Monaten Selbststudium viel besser Bosnisch/Kroatisch/Serbisch als etwa Französisch nach mehreren Jahren Schulunterricht (und das nicht, weil Französisch schwerer wäre – beide Sprachen haben ihre Tücken).

3. Um gut Englisch zu lernen, braucht man die Chance, korrektes Englisch oft zu hören

In der Schule ist oft das Problem, dass man viel zu viel Falsches hört. Man hört die Lehrperson, die idealerweise die Sprache richtig gut, zumindest auf fast muttersprachlichem Niveau, spricht und idealerweise auch eine gute Aussprache hat. Wenn das so ist und der Lehrende auch immer wieder in der Fremdsprache spricht und diese nicht nur die ganze Zeit auf Deutsch erklärt, dann hat man zumindest ein gutes sprachliches Vorbild.

Viel mehr als die Lehrperson hört man aber in vielen Kursen die anderen Schüler, die mehrheitlich viele Fehler machen, weil sie die Sprache ja auch noch nicht können. Man übt also zum Beispiel zu zweit, mit einem anderen Lernenden, Dialoge in der Fremdsprache und hört dabei eine falsche Aussprache, falsche Formulierungen, Fehler usw.

So, wie Sprachunterricht oft aufgebaut ist, hört man also nur einen sehr geringen Anteil der Unterrichtszeit, wenn überhaupt, korrektes und muttersprachliches Englisch, Italienisch, Französisch,… .

Dann ist es kein Wunder, wenn die Lernenden die Sprache auch nach mehreren Jahren Unterricht noch kaum beherrschen und viele Fehler machen. Sie waren der Fremdsprache, von Muttersprachlern gesprochen, einfach viel zu wenig ausgesetzt.

4. Kontakt mit Muttersprachlern ist essenziell

Als ich begonnen habe, eigeninitativ Bosnisch/Kroatisch/Serbisch zu lernen, hatte ich nur Kontakt mit Muttersprachlern – und das hat einen riesigen Unterschied gemacht. Ich habe von niemandem falsche Aussprache gehört und ich habe von kaum jemandem falsche Grammatik gehört, höchstens Dialekt. Von fast allen Gesprächspartnern habe ich also korrektes Bosnisch/Kroatisch/Serbisch gehört und es somit von Anfang an richtig gelernt.

5. Reisen oder Sprachtandems

Wenn möglich, empfiehlt es sich natürlich, in das fremdsprachige Land zu fahren, dort mit Leuten zu reden, Gesprächen zuzuhören, Schilder und Aufschriften zu lesen – und sich so viel wie möglich der Sprache auszusetzen.

Auch wenn man nicht die Möglichkeit hat, ins fremdsprachige Ausland zu reisen, kann man meist Kontakt mit Muttersprachlern suchen, indem man z.B. fremdsprachige Sprachtandempartner sucht, die im Austausch Deutsch lernen möchten und die es in den meisten größeren Städten für viele Sprachen gibt.

6. Fremdsprachige Chats, Internetforen und E-Mail-Freunde aus aller Welt

Außerdem bietet das Internet großartige Möglichkeiten, über fremdsprachige Foren, Chats oder Penpal-Börsen Kontakt zu Muttersprachlern zu bekommen. Das steigert dann auch noch die Motivation zum Sprachenlernen gewaltig, weil man spürt, welcher Nutzen dahinter steckt.

Ich habe zum Beispiel schon früh begonnen, in einer neuen Fremdsprache zu chatten und E-Mails zu schreiben. Ich hatte anfangs natürlich noch kaum Ahnung von der Sprache, bin mit dem Wörterbuch dagesessen, habe viel nachgeschlagen und einfach Sätze zusammengebastelt.

Natürlich habe ich anfangs dabei viele Fehler gemacht, aber ich hatte sehr tolerante muttersprachliche Gesprächspartner und habe dabei viel gelernt und mich schrittweise verbessert. Für die meisten Menschen ist es ein großes Kompliment, wenn man ihre Sprache lernt (ganz besonders bei seltener gelernten Sprachen) und sie sind gerne bereit, einen dabei zu unterstützen.

7. Über Musik Zugang zur fremden Sprache finden

Musik eignet sich auch ausgezeichnet, um Spaß an Fremdsprachen zu haben, neue Wörter und Formulierungen zu lernen, ein Gefühl für die Sprachmelodie zu bekommen, das Hörverständnis zu verbessern und die eigene Aussprache zu trainieren.

Im Internet kann man Musik fast aller Stilrichtungen in vielen Fremdsprachen finden, sodass für fast jeden Musikliebhaber etwas dabei ist. Dann kann man die Liedtexte dazu suchen, sie übersetzen oder auch nicht (von manchen gibt es auch schon Übersetzungen), das Lied anhören und mitsingen (dafür braucht es kein musikalisches Talent).

8. Hörverständnis und Aussprache verbessern

Für mich war Aussprache, speziell in den slawischen Sprachen, immer meine größte Herausforderung beim Sprachenlernen. Musik hat mir dabei sehr geholfen, meine Zunge an die fremden Laute zu gewöhnen und meinen österreichischen Akzent zu verringern.

Spannenderweise habe ich nämlich gemerkt, dass ich einige fremde Laute, die ich im Gespräch, also ohne zu singen, nicht aussprechen konnte, auf einmal in Liedern aussprechen konnte (gesungen wird die Zunge wohl weicher) und, wenn ich das lange genug geübt hatte, diese Fähigkeit irgendwann auch auf gesprochene Sprache übertragen konnte.

9. Sich über das erste fremdsprachige Buch drübertrauen

Wenn man die nötige Geduld mitbringt, kann man auch schon sehr früh beginnen, in der fremden Sprache Bücher zu lesen. Für den Anfang empfehlen sich einfach geschriebene Bücher, eigens dafür gestaltete Einsteigerbücher oder auch Kinderbücher mit Bildern.

Das erste Buch in einer fremden Sprache zu lesen macht noch recht viel Arbeit, die sich aber wirklich lohnt. Man sitzt viel mit dem Wörterbuch und übersetzt und übersetzt und übersetzt und übersetzt … (allerdings muss man nicht jedes einzelne unbekannte Wort übersetzen, um den Sinn zu begreifen).

10. Beim Lesen automatisch neue Wörter lernen

Aber wenn man das erste Buch einmal fertig gelesen hat, dann hat man so viel gelernt, dass jedes weitere Buch viel einfacher zu lesen sein wird und mit jedem weiteren Buch macht das Lesen in der Fremdsprache mehr Freude.

Interessanterweise merkt man dabei, dass man auch Wörter gelernt hat, die man nicht nachgeschlagen hat. Ähnlich wie sich kleine Kinder viele Wortbedeutungen ihrer Muttersprache aus dem Zusammenhang erschließen, versteht man auch beim Lesen in einer Fremdsprache immer mehr Wörter im Kontext, sobald man ein bisschen etwas versteht.

11. Die Lieblingssendungen in der Fremdsprache anschauen

Videos sind auch eine gute Möglichkeit, um spielerisch die eigenen Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern. Mittlerweile gibt es auch viele der beliebtesten Filme und Serien in den meisten gängigen Fremdsprachen (Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch,…) synchronisiert und mit Untertiteln in diesen Sprachen zu kaufen oder im Internet zu finden. In weniger gängigen Sprachen finden sich zumindest Youtube-Videos.

12. Fremdsprachige Sendungen mit fremdsprachigen Untertiteln

Auch wenn die Versuchung groß ist, zusätzlich zur gesprochenen Fremdsprache in der Sendung deutsche Untertitel einzuschalten, rate ich stark davon ab. Deutsche Untertitel lenken meist zu sehr ab, sodass dann nur noch diese gelesen werden und das gesprochene Wort ausgeblendet wird.

13. Die Handlung zeigt meist, was die gesprochene Sprache sagen will

Es ist herausfordernd, z.B. eine spanische Sendung mit spanischen Untertiteln zu sehen, wenn man Spanisch noch nicht so gut kann. Aber man wird merken, dass man trotzdem sehr viel mitbekommt, weil man ja auch die Handlung sieht. Wenn Personen in einem Film oder einer Serie etwas tun, reden sie nämlich meistens auch ungefähr über das, was sie tun. Z.B. trinken sie Kaffee und reden darüber, sagen etwa „ich geh jetzt Kaffee trinken“ oder „der Kaffee ist gut“ oder was auch immer.

14. Die fremde Sprache wird immer leichter – und macht immer mehr Freude

Je öfter man sich mit der fremden Sprache beschäftigt, desto flüssiger wird das Verständnis der fremden Sprache und desto leichter und müheloser wird das Fernsehen, Zuhören und Lesen – aber auch das eigene Sprechen und Schreiben. Es macht sich also bezahlt, nicht gleich aufzugeben, auch wenn man anfangs noch nicht so viel versteht.

Man lernt so viel dabei: neue Wörter, die Sprachmelodie, Umgangssprache,… – und man spürt, dass es Spaß machen kann, sich mit dieser Sprache zu beschäftigen und dass man vielleicht doch begabter in Sprachen ist, als man dachte.

15. Sprachen öffnen die Herzen der Menschen

Also lasst euch nicht entmutigen und behaltet euch den Spaß am Sprachenlernen (oder entdeckt ihn wieder). Es ist so etwas Schönes, mit Menschen aus ganz anderen Ländern in ihrer Muttersprache kommunizieren zu können – selbst wenn sie auch Deutsch oder Englisch können – sie öffnen sich einem dann ganz anders und man lernt sie ganz anders kennen.

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