Warum Pausen beim Lernen so wichtig sind

Anschließend an meinen Artikel darüber, wie man erfolgreich eine Lerneinheit vorbereiten kann, geht es auch diesmal wieder um die Rahmenbedingungen erfolgreichen Lernens.

Hier erfährt ihr nun, warum Pausen beim Lernen so wichtig ist und warum mehr Lernzeit nicht immer mehr Lernerfolg bringt.

Pause

Menschen, die beim Lernen Misserfolgserlebnisse hatten oder sich schwer tun – zum Beispiel, weil sie gerade bei einer Prüfung oder Schularbeit durchgefallen sind – tendieren manchmal dazu, viel zu viel und viel zu lange zu lernen, nach dem Motto „Mehr bringt mehr“.

Schlechte Note – jetzt muss viel mehr gelernt werden?

Bei Kindern und Jugendlichen werden manchmal dann fatalerweise von den Eltern oder auch von ihnen selbst musikalische, sportliche oder soziale Freizeitaktivitäten gestrichen, um vermeintlich mehr Zeit und Energie fürs Lernen zu haben.

Dann heißt es zum Beispiel: „Nein, jetzt wo ich im Gymnasium bin, kann ich leider nicht mehr Fußball spielen/Gitarre lernen/…, denn ich muss mich jetzt auf die Schule konzentrieren“.

So oft habe ich das gehört und immer macht es mich traurig, denn oftmals setzt das eine Abwärtsspirale in die falsche Richtung in Gang und aus glücklichen, ausgeglichenen Kindern werden traurige Teenager, deren hauptsächliche Säule der Identität die Schule ist.

Wie traurig und fatal für den Selbstwert dieser jungen Menschen, wenn es dann in der Schule nicht gut klappt und sie dort Misserfolge haben.

Denn je mehr Zeit unter Druck mit Lernen – oder damit, unglücklich und unkonzentriert über den Büchern zu sitzen, weil man meint, lernen zu müssen – verbracht wird, desto schlechter werden meist die Noten, weil die Pausen, der Ausgleich und der Spaß fehlen und weil die Leichtigkeit und Freude am Lernen, die bei jedem Menschen zumindest als kleines Kind einmal da waren, verloren gehen.

Müdigkeit beim Lernen

Mehr bringt mehr?

Hinter diesem selbst gewählten oder von anderen auferlegten Lerngefängnis steckt die oft falsche Annahme, je mehr Zeit man mit dem Lernen verbringt, desto größer seien die Chancen, beim nächsten Mal zu bestehen. Das ist aber nicht unbedingt immer so – manchmal ist sogar das Gegenteil der Fall.

Wenn man zu viel lernt, überfordert man das Gehirn, es wird voller und voller und voller, bis nichts mehr hineingeht – das heißt, bis man Kopfweh hat, müde ist und kein weiterer Lernstoff mehr hineingeht. Manche zweifeln dann an sich und haben das Gefühl,  sich nichts von dem gerade Gelernten gemerkt zu haben.

Das Gehirn braucht Zeit zum Verarbeiten des Gelernten

Denn wenn man eine Lerneinheit hinter sich hat, dann braucht das Gehirn erst einmal eine Pause, Ruhe und Entspannung zum Runterkommen und um das Gelernte zu verarbeiten.

Wenn man sich aber keine Pause gönnt, sondern immer weiter lernt und auf den gerade bearbeiteten Stoff Neues drauflernt und noch mehr drauflernt und noch mehr… dann wird entweder das bisher Gelernte wieder quasi überschrieben im Gehirn oder es ist noch kein Platz für Neues frei.

Was haben das Gehirn und ein Glas Cola miteinander zu tun?

Ich vergleiche das gerne damit, wie wenn man ein Glas Cola einschenkt. Wie macht man es, möglichst viel Cola ins Glas zu bekommen, ohne dass es übergeht?

Mit Ruhe und Bedacht, durch langsames Eingießen und indem man immer wieder Pausen einlegt, in denen sich der Schaum setzen kann, sodass wieder neuer Platz frei wird.

Wenn man hingegen zu schnell zu viel eingießen möchte, dann geht das Glas über, obwohl insgesamt nicht viel Cola darin ist.

Glas Cola

Lernen mit Maß und Ziel

Wie bei vielem im Leben, ist auch beim Lernen der mittlere Weg der vernünftigere, also Lernen mit Maß und Ziel.

Pausen und die richtige Lernmenge sind beim Lernen total wichtig. Erfahrungsgemäß können die wenigsten Menschen mehr als ca. sechs Stunden am Tag (mit Pausen!) wirklich produktiv und konzentriert lernen.

Natürlich gibt es viele Menschen, die viel mehr Zeit am Tag mit Lernen verbringen – aber ehrlich, ist das bei euch produktiv? Könnt ihr euch all diese Zeit wirklich gut konzentrieren oder schweifen eure Gedanken immer wieder ab?

Pausen machen

Effizienter und angenehmer ist es, während dem Lernen immer wieder Pausen zu machen und es nach maximal einigen Stunden am Tag dann auch erst einmal gut sein zu lassen und mit gutem Gewissen etwas anderes zu machen: Sport treiben, musizieren, schlafen, Freunde sehen, basteln, kochen,… was auch immer Freude bereitet.

Aktivität 2

Das Gehirn arbeitet nach dem Lernen noch nach

Wichtig ist es, danach und in den Pausen etwas ganz anderes zu machen, das mit dem Lernstoff nichts zu tun hat, denn dadurch bekommt das Gehirn die Möglichkeit, den gelernten Stoff gut abzuspeichern und zu verknüpfen.

Wenn man nach einer Lerneinheit zum Beispiel schwimmen geht, ist das keinesfalls verlorene Zeit – im Gegenteil – das Gehirn freut sich, dass es nicht mit noch mehr Stoff belastet wird, erholt sich und festigt dabei die gerade gelernten Inhalte.

Kurze Lerneinheiten machen Lust, wieder zu lernen

Außerdem ist es einfacher, sich für die nächste Lerneinheit zu motivieren, wenn man Lernen nicht als Bestrafung erlebt, sondern als etwas Produktives, das durchaus anstrengend sein kann, bei dem man aber auch Pausen machen darf – und auch sieht, dass man auch in den intensivsten Lernphasen noch ein anderes Leben nebenbei haben (und Freunde sehen, Sport treiben, Spaß haben,…) darf und soll.

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